Author Topic: ML's Haunted House of Cards: Flash Fraud (Deutsch)  (Read 949 times)

Walter Schulz

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ML's Haunted House of Cards: Flash Fraud (Deutsch)
« on: September 04, 2017, 05:21:00 PM »
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Inhalt
1 Einführung und Überblick

2 Produktfälschungen bei Flash-Speicherkarten

2.1 Falsche Geschwindigkeitsangabe

2.1.1 Benchmark unter Windows
2.1.2 Benchmark unter OS X/MacOS
2.1.3 Benchmark in der Kamera

2.2 Falsche Speichergröße

2.2.1 Falsche Speichergröße unter Windows erkennen
2.2.2 Falsche Speichergröße unter OS X/macOS erkennen
2.2.2.1 f3read/f3write
2.2.2.2 F3X

1) Einführung und Überblick
ML stellt an die Speicherkarten teilweise Anforderungen, die von Canon so nicht vorhersehbar waren und die weit über die laut Handbuch benötigten Bandbreiten hinausgehen. Leider sind Produktfälschungen bei Flash-Speichern weit verbreitet. Diese können im Einsatz zu Performance-Problemen (vorzeitigen Abbrüchen der Aufnahme) und nicht behebbaren Datenverlusten führen.
Dieser Text erklärt, welche Art von Fälschungen existieren und wie man Produktfälschungen entdecken kann.


2) Produktfälschungen bei Flash-Speicherkarten
Häufiger als uns lieb sein kann, sind Flashspeicher von Produktfälschungen betroffen. Schätzungen gehen von Zahlen über 20 Prozent aus. Auch als seriös bekannte Händler sind vor diesen Betrügereien nicht gefeit, da es der Betriebsablauf nicht vorsieht, Karten vor dem Verkauf zu prüfen. Daher sind wir gut beraten, Karten nach dem Erwerb selbst zu testen.
Es kommen 2 Fälschungsarten vor, die auch zusammen auftreten können. Relativ weit bekannt ist die Fälschungsmethode, durch ein falsches Etikett eine höhere Datentransferrate als erwartet vorzuspiegeln. Dies führt dann beim Ausreizen der Datenrate (z.B. bei RAW-Video) zum ungeplanten Abbruch der Aufnahme. Relativ unbekannt ist, dass eine weitere Fälschungsart existiert, bei der dem Rechner eine höhere Speichergröße vorgespiegelt wird. Dieser Fall ist nicht so offensichtlich, kann im Fehlerfall aber dazu führen, dass Daten unwiederbringlich verloren gehen!

 
2.1 Falsche Geschwindigkeitsangabe
Für die Fälscher ist es lukrativ, eine höhere Transferrate auf dem Etikett anzugeben als tatsächlich vorhanden, da Karten mit hoher Datenrate deutlich teuerer sind. Für den Anwender besteht mit Betriebsmitteln keine einfache Möglichkeit, die Schreib- und Lesegeschwindigkeit verläßlich zu erkennen. Für Windows und OS X/MacOS gibt es für diesen Zweck erstellte kostenlose Zusatzprogramme. Der zugehörige Begriff ist "Benchmark".

Anmerkung:
Für den Test, ob die erworbene Speicherkarte den Spezifikationen entspricht, gelten - meiner Ansicht nach - ein paar Voraussetzungen:
   - Ein interner oder externer Kartenleser, der auch die Geschwindigkeit der Karte ausreizen kann. Es ist z. B. sinnlos, einen mit USB 2.0 angebundenen Kartenleser zu verwenden, wenn die Transferrate der Speicherkarte die Geschwindigkeit von USB 2.0 überschreitet. USB 2.0 ist theoretisch in der Lage, 60 MByte/s zu übertragen. In der Praxis kommt man mit Glück auf Werte von 48 MByte (plus/minus x).
   Bei CF-Karten, die dem Standard "UDMA 7" entsprechen, ist besondere Vorsicht angeraten. Kartenleser, die nicht UDMA 7 beherrschen, können diese Karten zerstören!
   (Auf www.cameramemoryspeed.com findet man eine Auswahl an getesteten Kartenlesern.)
   - Der Rechner sollte für diese Aufgabe nicht unter hoher Last durch andere Anwendungen stehen. Offene Applikationen sind an sich kein Problem, aber wenn der Prozessor mit anderen Aufgaben ausgelastet ist, sind keine vernünftigen Benchmark-Ergebnissen zu erwarten.
   - Augenmass wahren. Eine geringe Abweichung zwischen Benchmarks auf verschiedenen Rechnern ist normal.

      
2.1.1 Benchmark unter Windows
Als verbreitetes Programm gilt "CrystalDiskMark".

Für die maximale Datenrate reicht der Test "Seq" (Sequentielles Lesen und Schreiben).

EDIT: Na, super! Wer war wohl felsenfest davon überzeugt, alle für den Text notwendigen Snapshots auf diesem Rechner zu haben und nicht auf dem Rechner, der 1.124 km Luftlinie entfernt ist?
Also gibt es Daten für den Stick ...

2.1.2 Benchmark unter OS X/MacOS
   Als verbreitetes Programm gilt Blackmagic Disk Speed Test", das im Apple Store verfügbar ist.



2.1.3 Benchmark in der Kamera
   ML hat ein eigenes Benchmark-Programm. Es ist ein sog. Modul (Bench.mo), das über den Reiter "Modules" ladbar ist.

Nach Neustart der Maschine steht es dann im Reiter "Debug" zur Anwendung bereit. Für den Kartentest die Option Card Benchmarks -> Quick R/W benchmark (1 min) wählen.



Anmerkungen:
- Natürlich muss ML auf der Karte installiert sein.
- Um die maximale mögliche Transferrate für die Karte unter ML zu ermitteln, empfehle ich den Foto-Modus ohne zusätzlich aktivierte Module.
- Ausreichend freier Speicherplatz (> 2 GB) auf der Karte. ML prüft nicht nach, ob der für den Benchmark notwendige Platzbedarf vorhanden ist. Bei unzureichendem freien Platz produziert der Benchmark Phantasiewerte!
- Ich empfehle diesen Test auch dann durchzuführen, wenn der Test am Kartenleser im grünen Bereich liegt. In sehr seltenen Fällen gibt es Kompatibilitätsprobleme zwischen Kamera und Karte, die zu drastischen Performance-Einbrüchen führen (unabhängig von ML).
- Dieser Test kann bei sehr schnellen Karten nicht die maximal mögliche Transferraten erreichen, die mit anständigen Kartenlesern möglich sind! Einer der Gründe kann die Bandbreite des integrierten Kartenanschlußes sein.
- Der kamerainterne Benchmark hat 2 Durchläufe. Im 2. Durchlauf zeigt sich, wie stark sich die Erwärmung durch die Schreib-/Lesevorgänge auf die Transfergeschwindigkeit auswirkt. Sollte sich ein signifikanter Zuwachs der erwärmten Karte zeigen, kann man sich z. B. die Option "Card Warm-up" im Untermenü "RAW video (MLV)" anschauen.


2.2 Falsche Speichergröße
Bei diesem Betrug spiegelt die Karte vor, eine höhere Speicherkapazität zu haben als tatsächlich vorhanden. Also statt z. B. mit den tatsächlich vorhandenen 8 GB stellt sich die Karte mit 64 GB Speicherplatz vor. Das gefährliche dabei ist, dass beim Schreiben über den real vorhandenen Speicherbereich die Karte von Anfang an *überschrieben* wird. Dies führt dann zu unwiederbringlich verlorenen Daten!
Das Betriebssystem von Rechner und Kamera haben keine Möglichkeit, diesen Betrug zu erkennen. Sie gehen davon aus, dass die von der Karte gelieferten Angaben über die physikalische Speichergröße korrekt ist.
Um den Betrug zu erkennen, gibt es Programme für Windows/OS X/MacOS, die zum Test die Karte beschreiben und danach ermitteln, ob die Daten korrekt geschrieben wurden.

2.2.1 Falsche Speichergröße unter Windows erkennen
Für Windows existiert das Programm h2testw, das mit englischer und deutscher Bedienerführung arbeitet.


Der Test arbeitet im Prinzip nicht-destruktiv. Es werden keine bestehenden Daten überschrieben, wenn keine betrügerische Karte vorliegt.
Bitte unbedingt beachten, dass dieser Test sehr lange dauern kann! Und die erreichbare Schreib-/Lesegeschwindigkeit beträgt etwa 2/3 dessen, was Benchmarkprogramme verwenden. Eine 128 GB-Karte zu testen, dauert bei schnellen CF-Karten (1066x) schon mal ein Stündchen.
Und die Testdaten werden vom Programm nicht gelöscht, dies muss man selbst tun! Die Dateien mit Namen *.h2w befinden sich auf der obersten Verzeichnisebene (Root) der Karte.

2.2.2 Falsche Speichergröße unter OS X/macOS erkennen
Die Umsetzung für Apple-Rechner wurde F3 entwickelt. F3 = FFF = Fight Flash Fraud = Bekämpfe Flash-Betrug.
http://oss.digirati.com.br/f3/

Der Test arbeitet im Prinzip nicht-destruktiv. Es werden keine bestehenden Daten überschrieben, wenn keine betrügerische Karte vorliegt.
Bitte unbedingt beachten, dass dieser Test sehr lange dauern kann! Und die erreichbare Schreib-/Lesegeschwindigkeit beträgt etwa 2/3 dessen, was Benchmarkprogramme verwenden. Eine 128 GB-Karte zu testen, dauert bei schnellen CF-Karten (1066x) schon mal ein Stündchen.
Und die Testdaten werden vom Programm nicht gelöscht, dies muss man selbst tun!


2.2.2.1 f3read/f3write
f3read und f3write sind Open-Source-Programme für das Terminal (aka: Kommandozeile, CLI).

Nicht erschrecken, aber die Programme liegen im Source-Code vor und müssen vor der Verwendung selbst kompiliert werden. Geht einfach, wenn man es mal gemacht hat, die Anleitung gibt es auf der Webseite. Wer absolut nicht kompilieren will oder kann: -> 2.2.2.2 F3X

2.2.2.2 F3X
Es existiert ein von f3read/f3write abgeleitetes Programm mit Benutzeroberfläche namens F3X und es steht auch als installierbares Paket zur Verfügung.